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Banater Schwaben in Österreich: 100-jähriges Vereinsjubiläum 125 Jahre seit der erste Erwähnung...
„Man soll die Geschichte aufrichtig und wahr schreiben, oder man soll sie lieber nicht schreiben, wenn man die Unwahrheit schreiben will. Denn damit belügt man seine Nachkommen.“ ERWIN RINGEL1
Vorbemerkungen
Die Banater Schwaben2 sind mit den Schwaben aus der Batschka, aus Syrmien, Slawonien aus der Schwäbischen Türkei, u. a. in dem wesentlich jüngeren Sammelbegriff Donauschwaben vereint. Der Terminus Donauschwaben3 wurde 1922 vom Grazer Geographen ROBERT SIEGER und bereits zwei Jahre zuvor von HERMANN RÜDIGER, Geograph am Deutschen Auslands-Institut, Stuttgart („Donau-schwaben im weitesten Sinne des Wortes sind die Bewohner der deutschen Siedlungsgebiete längs des Mittellaufs der Donau, etwa von Ofenpest/Budapest bis nach Orşova“ ) für die früher als „Schwa-ben Ungarns“ bekannte Volksgruppe, geprägt. „Sie werden in diesen Gebieten seit jeher ‚Schwaben’ genannt ... Nach 1945 fanden Teile in der BRD und in Österreich eine neue Heimat. Erst hier bezeich-neten sie sich selbst als Donauschwaben.“4 Ab der zweiten Hälfte des 19. und besonders um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert hatte es viele Banater Landsleute in die Reichshauptstadt gezogen: Es waren Handwerker, vor allem aber Banater Friseure (die ja, besonders in den Banater Dörfern, keiner zufriedenstellenden berufli-chen Zukunft entgegensehen konnten), aber auch Studenten und Kaufleute, die in Wien ihr Glück versuchen wollten und hier eine zweite Heimat gefunden hatten. Wien war damals – kulturell – neben Paris und Berlin die wohl potenteste Stadt auf dem europäischen Kontinent: Expressionisten, Impres-sionisten, Vertreter des Jugend- und anderer Stilrichtungen sowie bedeutende Komponisten hatten damals ihre Wirkungsstätte in Wien: ALBAN BERG, GUSTAV MAHLER, EGON SCHIELE,GISTAV KLIMT, ADOLF LOOS, OTTO WAGNER, ARTHUR SCHNITZLER, HUGO VON HOFMANNSTHAL, ALFRED POLGAR, PETER ALTENBERG, ANTON KUH, RODA-RODA, ALEXANDER DUMBA u.a. Der Temeswarer Buchdrucker und Journalist JOSEF KARL GABRIEL (1862-1950), der vom 4. Mai 1880 bis zum 2. September 1882 auf der „Walz“ in Wien beschäftigt und von 1904-1906 Korrektor bei der „Temeswarer Zeitung“ wurde, erwähnte in mehreren Aufsätzen die Zeit, die er als Wanderbur-sche in der „Tischgesellschaft der Banater Schwaben in Wien“ verbracht hatte. Die Jahre, die der junge Buchdrucker hier in Wien erlebt hatte, ließen ihn reifen, so steht es in seinen Tagebuchnotizen. Damit ist auch bestätigt, dass bereits im Jahre 1882 eine „Tischgesellschaft der Banater Schwaben in Wien bestanden hat. Eine derartige Tischgesellschaft benötigte keine Statuten und auch keine Mel-dung bei der Polizei. Auch in Österreich vollzog sich der Entwicklungsprozess eines Vereines über die Stationen Tischgesellschaft – Unterstützungsverein – Bildungsverein usw. Samstag, den 24. Oktober 1906, fanden sich einige in Wien lebende Banater Landsleute im engsten Freundeskreis in ihrer Tischgesell-schaft im Restaurant „Zum Grundstein“ im VIII. Bezirk von Wien zusammen, um die Vereinsgründung der Banater Schwaben in Wien zu besprechen. Zur Beratung der Satzungen wurde ein eigener Aus-schuss gewählt. Drei Monate später, nach Genehmigung der Satzungen, trafen die Gründungsmitglie-der wieder zusammen und gründeten am 27. Jänner 1907, um 19 Uhr, im Restaurant „Zum Grund-stein“ im VIII. Wiener Gemeindebezirk, Josefstädter Straße 28 – derzeit befindet sich hier eine Bank-Filiale (BAWAG) –, der „Verein der Banater Schwaben in Wien“. Es war natürlich kein Zufall, dass am 30. Dezember 1906 im Banater Werschetz die „Ungar-ländische deutsche Volkspartei“ und ein Monat später in Wien der „Verein der Banater Schwaben in Wien“ gegründet wurden. Ausschlaggebende Verdienste um die endlich erfolgte Zusammenfassung der um die deutsche Zukunft der Schwaben in Ungarn besorgten Kräfte hatten sich ADAM MÜLLER-GUTTENBRUNN und der in Klosterneuburg bei Wien lebende EDMUND STEINACKER erworben. Steinacker war bereits im Jahre 1901 Abgeordneter-Kandidat im Komloscher Bezirk im Nordbanat und später Abgeordneter in Budapest. Aus dem Protokoll der konstituierenden Sitzung geht u. a. hervor: „…Im Namen der Propo-nenten und Einberufer begrüßt Herr Nikolaus Wehner die Versammelten und sagte, daß die Anwe-senden aus den ihnen zugegangenen schriftlichen Einladungen wohl wissen, daß es sich um die Kon-stituierung des Vereins der Banater Schwaben in Wien handelt. Zur Leitung dieser Versammlung mö-gen die Anwesenden aus ihrer Mitte einen Vorsitzenden, einen Vorsitzenden-Stellvertreter und einen Schriftführer wählen. Hierauf wurde gewählt: Nikolaus Wehner zum Vorsitzenden, Franz Bottner zum Vorsitzenden-Stellvertreter und Johann Mager zum Schriftführer. Herr Wehner gab anschließend be-kannt, daß von den 28 anwesenden Personen 20 ihren Beitritt angemeldet haben und gleichzeitig die Einschreibgebühr von 1 Krone entrichtet haben. Ferner liegen zwei schriftliche Anmeldungen vor, so daß der Verein bereits 22 Mitglieder zählt. Zur Vereinsleitung wurden vorgeschlagen: Obmann: Niko-laus Wehner, Obmann-Stellvertreter: Johann Braun, Schriftführer: Johann Mager, Schriftführer-Stellvertreter: Nikolaus Hilger, Kassier: Franz Bottner, Bibliothekar: Lorenz Thoma, Ausschussmitglie-der: Josef Kaiser, Rudolf Schiff, Jakob Schweitzer, Michael Hirsch, Revisoren: Wilhelm Engelhardt, Peter Engel, Johann Stocker. Jeder dieser Vorschläge wurde einzeln und einstimmig angenommen. Die Gewählten erklärten, dass sie die Wahl annehmen.“ „Der Vorsitzende gab das gesamte Resultat der Wahl bekannt und erklärte, daß sich hiermit der ‚Verein der Banater Schwaben in Wien’ konstitu-iert hat und daß an jedem zweiten Sonntag eines jeden Monats ein geselliger Vereinsabend stattfin-den wird. Der Verein der Banater Schwaben in Wien hatte sich als Ziel gesetzt, den Landsleuten in Wien ihr Deutschtum,5 d. h. ihre deutsche Sprache, ihre deutsche Bildung und ihre Sitten zu erhalten. Die Beziehungen zu den Landsleuten zu pflegen und zu festigen. Im Laufe der ersten Jahre dehnte sich das Betreuungsgebiet des Vereines immer weiter aus, so dass schließlich alle Banater Lands-leute in Wien erfasst wurden. Es erweiterte sich auch sein Aufgabenkreis. Laut Auszug aus den Ver-einssatzungen stand damals im Vordergrund der Vereinstätigkeit die Förderung aller nicht politischen, insbesondere der sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Belange seiner Mitglieder. In diesem Zu-sammenhang erläuterte der zum Vorsitzenden gewählte Nikolaus Wehner den Zweck und die Ziele, aber auch die Notwendigkeit eines Vereins der Banater Schwaben in Wien, um „den aus der Heimat in die fremde große Stadt Kommenden mit den Verhältnissen der Großstadt nicht vertrauten Stammes-genossen an die Hand zu gehen, ihnen mit Rat beizustehen.[...] Andererseits sollen auch die schon länger in Wien ansässigen Banater Schwaben einander näher gebracht werden. [...] und in steter Wechselbeziehung zu einander bleiben. [...]“ Darüber hinaus sollte man sich im heimatlichen Dialekt unterhalten und es sollten Sitten und Bräuche gepflegt werden. (Gründungsprotokoll, S.1.)6
Das Vereinsabzeichen des Banater Schwabenvereins
Nach der Vereinsgründung im Jahre 1907 wurde der Beschluss gefasst, bei offiziellen Anlässen ein Vereinsabzeichen zu tragen. Der Verein der Banater Schwaben in Wien kann mit Stolz auf sein sinn-reich zusammengestelltes Vereinsabzeichen hinweisen, welches schon auf den ersten Blick einen netten Eindruck macht. Ein rot-weiß-rotes Legendenband, die Farben Österreichs als Gründungsstätte des Vereines umrahmt das Abzeichen auf dem Verein der Banater Schwaben Wien zu lesen ist. Eine aufgehende Sonne im schwarzen Feld sollte die „geistige Erleuchtung durch die Schule“ bedeuten. Rechts und links ein blühender Eichenzweig das „heranwachsende, junge deutsche Geschlecht“. Un-ter diesem sind zwei Wappen, von welchen das eine die rot-weiß-grüne, das andere die schwarz-rot-goldene Farbe trägt. Erstere hat die Farben, des Landes Ungarn, welches unsere Vorfahren besie-delten und urbar machten. Im Innern des Abzeichens finden wir zwei mahnende Worte: „Bleib deutsch“! Rechts ist das Vaterhaus, vor welchem die Eltern von dem scheidenden Sohne Abschied nehmen. Die Mutter, an deren Seite zwei schutzsuchende Kinder stehen, hebt zum Segen ihre Rechte. Entworfen wurde das Vereinsabzeichen von Prof. Hugo Ströhl. Der Aufruf „Bleib deutsch“! sollte als Mahnruf gegen die Madjarisierungsbestrebungen in der ungarischen Reichshälfte im ausgehenden 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts verstanden werden. Dass der Verein bereits bei seiner Gründung deutliche Kulturinteressen bekundet hat, geht aus der Funktion des gewählten Vereinsbibliothekars hervor. Der Sektion „Friseure“ kam im Rahmen des Vereins eine besondere Bedeutung zu: Die regelmäßigen Fortbildungskurse erfreuten sich großer Beliebtheit, und einige Sektionsmitglieder hatten es in jener Zeit zu Rang und Ehren genracht; so wur-de den beiden verwandten Konkurrenten Othmar und Rudolf Schiff der Titel „Kommerzialrat“ verlie-hen. Regelmäßig sorgten Vereinsabende und Schaufrisieren, Kegelabende und Weihnachtsfeiern, „schwäbische“ Festessen und der alljährliche Schwabenball für Geselligkeit und Pflege des kulturellen Erbes wie auch für Geltung in der Wiener Gesellschaft. Zu den Vortragenden des Vereins,die stets ein dankbares Publikum fanden, zählten in Wien studierende Banater - der spätere Medizinalrat Dr. Fritz Klingler und der Kirchenpräsident Franz Hamm – sowie anerkannte Literaten der Zeit, wie etwas Ella Triebnigg-Pirkert und Adam Müller Gut-tenbrunn. Aus dem Bericht des Obmann Nikolaus Wehner auf der ersten ordentlichen Hauptversamm-lung am 31. Jänner 1908 über das erste Vereinsjahr 1907 wird auf die Überschwemmung der Ge-meinde Rudolfsgnad im Banat, im Jahre 1907, u. a. eingegangen: „Derselbe Tag, der für uns Banater Landsleute in Wien ein Tag harmloser Freude war, wurde für die blühende deutsche Gemeinde Ru-dolfsgnad in der Torontaler Gespanschaft im Banat ein Trauertag. Durch die Unfähigkeit des staatli-chen Beamten der Stromaufsicht wurden nämlich der Ort und seine Gemarkung durch den zurück-stauenden Schwall der Donau vollständig überflutet. Die schwäbischen Bauern, das Gesinde und die Taglöhner wurden an den Bettelstab gebracht. Über Aufforderung von Seite unseres Vereines traten noch in der ersten Woche des Juni gewählte Vertreter von sechs in Wien bestehenden landsmann-schaftlichen Vereinen ungarländischer Deutscher zu einem Hilfsausschuß zusammen, dessen Tätig-keit in einem besonderen Teil dieses Jahresberichtes besprochen wird. An dieser Stelle sei den wak-keren Mitarbeitern dieses Ausschußes der wärmste Dank ausgesprochen …“ Der Hilfsausschuß bestand aus den folgenden sieben Vereinen: 1. Verein zur Erhaltung des Deutschtums in Ungarn 2. Vereinigung deutscher Hochschüler aus den Ländern der ungarischen Krone in Wien 3. Verein der siebenbürgisch- sächsischen Hochschüler in Wien 4. Verein der Siebenbürger Sachen in Wien 5. Sektion Wien des Siebenbürgischen Karpatenvereins 6. Verein der Batschkaer 7. Verein der Banater Schwaben in Wien (Wien, im Juni 1907) Daraus ist ersichtlich, dass der Verein der Banater Schwaben in Wien sofort nach der Vereinsgrün-dung eine sehr erfolgreiche Tätigkeit entfaltet und auch den in Not geratenen Landsleuten in der Hei-mat geholfen hat. Am 21. Dez. 1910 wurde beschlossen, 200 Exemplare von Adam Müller-Guttenbrunns „Der kleine Schwab“ nach Ungarn, besonders ins Banat und der Bacska, zu versenden und am 10. Mai 1911 wurde entschieden, 30 Abdrucke des Banater Schwabenliedes – für eine Singstimme mit Kla-vierbegleitung – von Adam Müller-Guttenbrunn getextet und von Adolf Kirchl vertont- aus Vereinsmit-teln anzukaufen. Gleichzeitig wurden auch 25 Abdrucke der Schrift „Deutschtum und Madjarisierung“ von Dr. Schultheiß erworben. In der ordentlichen Hauptversammlung vom 25. Juni 1911 wurde fest-gehalten, dass die Mitgliederzahl von 500 auf 700 angestiegen sei. In den Annalen des Vereines scheint sehr oft das Wort „arme Landsleute“ auf; es war damals eben eine andere Zeit. Und diesen armen Landsleuten zu helfen, war ein Hauptanliegen des Vereins, bedürftigen Landsleuten hilfreich beizustehen. So wurde z.B. in Wien studierenden Hochschüler aus dem Banat mit je einem Kosttag pro Woche und Schulkinder von Landsleuten in Wien mit warmer Winterbekleidung geholfen.
Der Untergang der Doppelmonarchie
Das vierte Kriegsjahr des Ersten Weltkriegs – Ende September, Anfang Oktober 1918 – bedeutete das Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie: Eine Nation nach der anderen verlässt das einstürzende Staatsgebäude. An die Stelle eines großen 52 Millionen Einwohner zählenden Reiches trat eine Reihe von Kleinstaaten, die teils republikanisch, teils monarchistisch regiert wurden. Die Völ-ker der Monarchie beschritten den Weg in die Selbstständigkeit und wollten mit Österreich nichts mehr gemeinsam haben. Der Winter 1918/19, der das Ende der jahrhundertealten Habsburgerherrschaft in Mitteleuropa brachte, war auch der Übergang von einem großen, umfassenden Reich zu einem kleinen Staat und von der Monarchie zur Republik. Der Wert der österreichischen Krone verschlechterte sich in alarmie-rendem Ausmaß. Wien war nicht mehr die zugkräftige Hauptstadt eines Großreiches und musste sich auch geographisch mit einer Randlage begnügen. Am 04.03.1919 trat in Wien die neu gewählte Nationalversammlung des Staates Deutsch-österreich zusammen. Auf die Bezeichnung „Deutschösterreich“ wurde verzichtet und der von gewis-sen Kräften betriebene Anschluss als Sonderbundesstaat an Deutschland wurde zunichte gemacht: Österreich beschritt den Weg in die Erste Republik. Am 04.06.1920 wurde der Friedensvertrag mit Ungarn wird in Versailles, im Schloss Trianon, unterzeichnet. Das historische Ungarn verlor 70 Pro-zent seines Territoriums und 60 Prozent seiner Bevölkerung. Auf diese Weise wurde auch die Kom-plexität des Banates gesprengt und das enheitliche Gebiet in drei Teile zerstückelt. Nach dem Zusammenbruch des Habsburgerreiches fand im Parlamentsgebäude eine Zu-sammenkunft der Vertreter von Ämtern des Staates, Landes, der Stadt Wien und der Vereinigungen für Kinder- und Jugendschutz statt. Das „Deutschösterreichische Jugendhilfswerk“ konstituierte sich. Hier handelte es sich nicht um die Bildung eines möglichst großen Komitees mit Ehrenpräsidium, Eh-renausschuss usw., sondern um eine offizielle Arbeitsgemeinschaft, in der jedem Mitglied ein be-stimmter Wirkungskreis zufiel. Das Präsidium führte das Staatsoberhaupt Karl Seitz.
Kinderlandaktion: Gründung der Fürsorgesektion
Das Ende des Ersten Welkrieges hatte ein ausgeblutetes, verelendetes und in seiner wirtschaftlichen Leistung schwer getroffenes Land hinterlassen. Angesichts dieser Notlage begann der Verein der Banater Schwaben in Wien mit einer „Hilfsaktion für Wiener Kinder“. Während und nach dem Ersten Weltkrieg, als besonders die Wiener großen Entbehrungen ausgesetzt waren und die Hungersnot allgegenwärtig war, kam es zur sogenannten „Kinderhilfsaktion“, im Zuge derer, zwischen 1916 und 1930, zirka 40.000 Wiener hungernde Kinder kostenlose Aufnahme im Banat gefunden haben.7 In der Generalversammlung des „Vereins der Banater Schwaben in Wien“ vom 14. Dezember 1919, stellte Rudolf Schiff den Antrag, einen Kinderhilfsfond einzurichten, worauf eine eigene Fürsor-gesektion entstanden ist. Er scheute keine Schritte, für die Kinder einen längeren Landaufenthalt im Banat zu erwirken, der sich nicht nur körperlich kräftigen, sondern auch seelisch gesund machen sollte. Diese Aktion, ohne jedwelche staatliche oder internationale materielle Hilfe durchgeführt, was das einmalige daran ist, stellte an den Verein schier ungeheure und zuweilen weit über seine Kräfte hinausgehende Anforderungen. Aus diesem Grunde gebührt es, auch der Maßnahmen zu gedenken, die ergriffen wurden, um das Kinderhilfswerk auf Jahre hinaus zu sichern. Infolge der Dreiteilung des Banat durch den Friedensvertrag von Trianon (4. Juni 1920) stie-gen die Anforderungen, die an den Verein gestellt wurden, ins Ungeheure. Um diesen Anforderungen genügen zu können, entwickelte sich der Verein der Banater in Wien zu einem großen Volksverein, der über 800 Mitglieder zählte. Alle Mitgliedsbeiträge und Spenden wurden ungekürzt für die Kinder-landverschickung ausgegeben. Im Jahre 1919 wählte der neue Gemeinderat den Gewerkschafter Jakob Reumann zum er-sten sozialdemokratischen Bürgermeister von Wien. Die vier Jahre seiner Amtszeit waren gleichzeitig in Österreich die schwersten Jahre der Inflation. Da die Fürsorgesektion des Vereines der Banater Schwaben in Wien Jahr für Jahr vielen hunderten Wiener Kindern eine vorzügliche Erholung ermög-lichte, leisteten schließlich auch die Gemeinde Wien und das Ministerium für soziale Fürsorge diesem Wohlfahrtsunternehmen durch nennenswerte Spenden ihren beachtlichen Beitrag. Wie aus den Annalen des Vereines der Banater Schwaben in Wien hervorgeht, kam der erste Kinderzug nach dem Ersten Weltkrieg am 1. Juli 1921 mit 708 Wiener Kindern im Banat an, die von Dr. Kausch in Temeswar begrüßt wurden. Am 19. Juli kam ein zweiter Transport mit 230 Kindern am Josefstädter Bahnhof (heute: Nordbahnhof) in Temeswar an. Am 10. August ging noch ein dritter Zug mit 300 Kindern von Wien weg.
Ein Hilferuf an die Wiener Bevölkerung (1920)
Tausende Wiener Kinder im gefährdeten Alter konnten in den letzten Jahren vom Verein der Banater Schwaben auf Erholung ins Banat geschickt werden. Auch ein Hilferuf an die Wiener Bevölkerung, die Weihnachtssammlung bestmöglich zu fördern, trug Früchte. Vereinsintern erschloss Johann Umlauf, der Rudolf Schiff in der Leitung der Fürsorgesektion im Jahre 1920 ablöste, andere Geldquelle: Mit Fragen der Organisation als erfahrener Kaufmann und langjähriger Kassier der Südostdeutschen Schulstiftung bestens vertraut, mietete er zum Beispiel für einige Nachmittage das Wiener Rai-mundtheater und brachte dort recht passable Theateraufführungen und damit das so dringend benö-tigte Betriebskapital für die Kinderhilfsaktion zustande. Die alte Heimat, vor allem die Deutschschwäbische Volksgemeinschaft in Rumänien, griff nicht minder tief in ihre Taschen. Schon am 13. Jänner 1920 ersuchte der Verein der Banater Schwa-ben in Wien die Leitung des Kulturverbandes in Temeswar um Hilfe und Unterstützung dieser Aktion „Wiener Kinder aufs Land“. Aus zwei Gründen wollten die Banater in Wien ihre Kinder in die Heimat, ins Banat, schicken: Damit sie nicht an Unterernährung zugrunde gehen und um ihr Zusammengehö-rigkeitsgefühl zu stärken. Der am 9. Mai 1919 in Temeswar gegründeten „Deutsch-Schwäbische Kulturverband“ mit sei-nem geschäftsführenden Obmann, Dr. Michael Kausch, nahmen sich der Aktion an und im ganzen Banat lief sofort eine entsprechende Werbung um Pflegeeltern an. Die einzelnen Ortsgruppen des Kulturverbandes meldeten Anzahl und Namen der Pflegeeltern nach Temeswar. Hier die Namen der Ortschaften, in denen die Wiener Kinder untergebracht waren: Engelsbrunn, Neubeschenowa, Neu-sanktpeter, Triebswetter, Deutschstamora, Warjasch, Billed, Birda, Lenauheim, Neusiedl, Ulmbach, Moritzfeld, Knees, Deutschbenschek, Dolatz, Lowrin, Perjamosch, Neuarad, Arad, Deutschpereg, Zaderlach, Glogowatz, Deutschtschanad, Hodoni, Deutschsanktpeter, Gertjanosch, Liebling, Pardani, Temeswar u. a. Triebswetter und Lowrin hatten dafür gesorgt, dass die Züge, die die Kinder ins Banat gebracht, nicht leer aus dem Banat zurückrollen ... Wie notwendig diese Aktion war, geht unmissverständlich aus ärztlichen Berichten hervor: „Ich habe die Kinder nach ihrer Ankunft in Temeswar und im Laufe ihres Aufenthaltes in großer Anzahl öfter untersucht. Mir ist dabei aufgefallen, dass diese besonders schwächlich, manche sogar elend waren, und zwar litten sie an hochgradiger Unterernährung, allgemeiner Blutarmut und zeigten be-sonders Zeichen von überstandener Rachitis. Die Unterernährung trat dabei besonders hervor.“ Ein anderer Temeswarer Arzt sagte: „ Der allgemeine Zustand war bei der ersten Untersuchung der ange-kommenen Wiener Kinder ein sehr schlechter – in der dritten Woche ihres Landaufenthaltes besserte sich dieser zusehends, so daß ich für einen Teil der Kinder Verlängerung des Landaufenthaltes für dringend nötig hielt. Ich habe auch den Eindruck gewonnen, daß die Kinder auch seelisch leiden, was gewiß als Zeichen der körperlichen Schwäche hingenommen werden muß.“ Von den Wiener Ferienkindern waren 93 Prozent in einem unbefriedigenden Ernährungszu-stande. Vierzehnjährige Knaben hatten 30 statt 41 Kilogramm. Buben blieben 41 Prozent und Mäd-chen um 32 Prozent unter dem Normalgewicht. Die gesundheitliche Qualifikation der Wiener Kinder, die vor dem Abgange der Transporte in doppelter ärztlicher Untersuchung vorgenommen wurde, er-folgte nach der Abstufung des Blut- und Fettgehaltes der Haut in je vier Grade: gut, mittel, mager, sehr mager. Das Geleitpersonal stand ausreichend zur Verfügung, für 15 Kinder ein Erwachsener. Bei der Ankunft im Banat gab es Schwierigkeiten; die in Wien getroffenen Gruppeneinteilungen mussten den Wünschen der Pflegeeltern angepasst werden, weil sich diese mehrheitlich für Mädchen entschieden hatten. Einem diesbezüglichen Brief vom 11. Juli 1922 an Herrn Heinrich Schmidt in Liebling geht hervor, dass „…der ursprüngliche Plan, eine ganze Mädchengruppe in Liebling unterzubringen, ist an dem allseitigen Wunsche und den Forderungen der anderen Gemeinden gescheitert. Alle wollen nur Mädchen haben …“ Ein ähnlicher Brief erreichte am 10. Juli Peter Kauten in Pardani: „…Unser Plan, nach Pardani ausschließlich Mädchen zu schicken, konnte nicht durchgeführt werden. Es kam aus verschiedenen Gemeinden der ausdrückliche Wunsch, man möge ihnen nur Mädchen senden … Wir bitten Sie, den Leuten beizubringen, sie mögen in Anbetracht der guten Sache in die Änderung einwil-ligen …“
Staatsopernsänger Anton Arnold singt bei den Landsleuten in Amerika für die Hilfsaktion der Wiener Kinder
Um dieses edle Werk der christlichen Nächstenliebe auch materiell zu unterstützen, entschloss sich das Ehrenmitglied des Vereins der Banater Schwaben in Wien, Landsmann Anton Arnold (Weißkir-chen) zu zwei Künstlerreisen zu den Landsleuten in Amerika, von wo er dem Verein schöne Summen in der selbstlosesten Weise zur Verfügung gestellt hat. Mit diesem, von den in den USA lebenden Landsleuten gespendeten Geld, konnte der Verein alle seine humanitären Bestrebungen fördern (16 Millionen Kronen). Der rettende Engel in Bukarest! Karl Kraushaar schreibt in „Unsere Heimat“ u. a.: „Es wäre gewiß der größte Undank, wenn wir nicht einer Dame mit dankerfülltem Herzen gedenken würden, die sich in der opferwilligsten Weise, seit Jahren an unserer diesbezüglichen Tätigkeit beteiligt hat, aber stets ungenannt sein wollte. Heuer spendete sie fünf Millionen österr. Kronen, welche gelegentlich der Weihnachtsbescherung verteilt wurden. Die edelsinnige Dame ist die in Bukarest lebende Frau Dr. Schrämk, welcher wir endlich auch öffentlich den Dank des Vereines der Banater Schwaben abstatten dürfen.“ In der Hatzfelder Zeitung 8 – Hatzfeld gehörte damals zu Jugoslawien– erscheint der Beitrag „Wiener Schwabenkinder im Banat“: „Unser Hatzfelder Landsmann Michael Strunk, Mitglied des „Ver-eins der Banater Schwaben in Wien“ suchte uns heute in der Schriftleitung auf, um uns die erfreuliche Nachricht zu hinterbringen, daß in 3 Transporten insgesamt 175 Wiener notleidende Schwabenkinder im Banat und der Bacska abgekommen und auch bereits schon untergebracht sind.Es war ein förmli-cher Wettstreit um die Kinder und die Wiener haben es zu bereuen, daß sie nicht die dreifache Zahl geschickt haben. So erhielten z.B. die Gemeinde Hatzfeld und die umliegenden Ortschaften – außer zweien, welche noch in Wien sichergestellt wurden – auch nicht ein einziges Kind. Die Schwaben wetteiferten miteinander wie immer, wenn es gilt, unschuldig notleidenden Kindern beizustehen. Mit dem ersten Transport kamen 58 Kinder und 8 Begleitpersonen, welche in Weißkirchen, mit dem zweiten Transport 42 Kinder und 6 Begleitpersonen, welche in Zichydorf und mit dem dritten Transport 70 Kinder und ungefähr 8 Begleitpersonen, welche in Baja, Apatin und Neusatz bereitwil-ligst untergebracht wurden. Der zweite Transport wurde in Apatin durch eine Abordnung des „Schwä-bisch – deutschen Kulturbundes“ begrüßt und bewirtet; der dritten Transport wurde in Neusatz durch die Bundesleitung selbst willkommen geheißen. Wir hoffen, dass die Kleinen sich in unseren Gauen zu ihrem eigenen Wohle und zu ihrer Eltern Freude gründliche erholen und während ihres Aufenthal-tes hier die besten Eindrücke sammeln werden.“ In der „Temeswarer Zeitung“ wurde am 4. Juli 1922 Folgendes festgehalten: „Eine bedeuten-de Rolle spielte die rumäniendeutsche sozialdemokratische Presse auch bei der Organisierung von Hilfsaktionen zugunsten der Wiener Kinder in den Jahren 1921 und 1922. Diese Hilfsaktion begann im Juni 1921. Mehr als zweitausend Banater Familien, die selbst einen harten Daseinskampf führten, übernahmen für drei Monate die Ernährung und Pflege dieser, in den meisten Fällen Eisenbahnerkin-der. Die Rücktransporte fanden am 26. September, 19. Oktober und 8. November 1921 statt. Im Laufe des Sommers 1922 wurden im Banat 650 Wiener Kinder zeitweilig untergebracht. Michael Schaut, Redakteur des Temeswarer sozialistischen Blattes, war Mitglied des Banater Hilfskomitees, das die Wiener Kinderzüge empfing und die Verteilung der Kinder an Pflegeeltern organisierte.“
Schwierigkeiten. 150 Wiener Kinder im jugoslawischen Teil des Banats
Der erste Versuch, 150 Kinder in der Heimat, und zwar in dem jugoslawischen Teil des Banates un-terzubringen, ist das Verdienst des Vereinsmitgliedes, Johann Umlauf. Leider ist das erste Unterneh-men nicht in allen Teilen gelungen. Der Verein verfügte damals noch nicht über die zu einem so groß-zügigen Unternehmen notwendige Organisation, und so entstanden bei dem Rücktransport der Kinder in Budapest Schwierigkeiten, welche aber durch unseren Landsmann Peter Schock aus Amerika, der zur selben Zeit in Budapest weilte, behoben wurden. Nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie rückten jugoslawische Truppen in Kärnten ein, besetzten die Landeshauptstadt Klagenfurt sowie andere Landesteile. Aus diesem Grund konnten die Kindertransporte aus Wien nicht mehr ins jugoslawische Banat durchgeführt werden. Die Regie-rung in Belgrad bereitete Schwierigkeiten. Im Jahre 1923 wurde der erfahrene Parlamentarier Karl Seitz zum Bürgermeister von Wien gewählt. Während seiner Amtszeit, die von 1923 bis 1934 dauerte, wurde die Kinderlandverschickung ins Banat zielstrebig erfüllt. Der rührigen Vereinsleitung unter Obmann Martin Endres und Fürsorgeobmann Hugo Butter ist es nach Überwindung großer Hindernisse gelungen, im Jahr 1923 800 erholungsbedürftige Kinder über den Sommer im Banat unterzubringen. Am 8.Juli 1925 mußte der Ferienzug des Vereins der Banater Schwaben in Wien in letzter Minute infolge des abschlägigen Beschlusses des rumänischen Ministerrates, die Einreise von 300 Wiener Kindern gestoppt werden. Die nachträgliche Einreiseer-laubnis für 250 Kindern konnte aus verkehrstechnischen Gründen und der fortgeschrittenen Jahreszeit nicht mehr durchgeführt werden. Nur die Schweiz (93.000) und die Niederlanden (66.000) haben mehr Wiener Kinder als das Banat aufgenommen. Am 8.Juli 1925 mußte der Ferienzug des Vereins der Banater Schwaben in Wien in letzter Minute infolge des abschlägigen Beschlusses des rumänischen Ministerrates, die Ein-reise von 300 Wiener Kindern gestoppt werden. Die nachträgliche Einreiseerlaubnis für 250 Kindern konnte aus verkehrstechnischen Gründen und der fortgeschrittenen Jahreszeit nicht mehr durchge-führt werden. Nur die Schweiz (93.000) und die Niederlanden (66.000) haben mehr Wiener Kinder aufge-nommen als die Banater Schwaben (40.000). Zum Vergleich: Dänemark: 22.000, Schweden :1.000, Norwegen 5.000, Luxemburg: 1.000, Spanien: 937, GB: 700, Frankreich: 400, Italien: 7.000, Belgien: 250. 9 Die Wiener Öffentlichkeit brachte am 24. Jänner 1930 in einer eindrucksvollen „Schwaben-Dank-Feier des Wiener Kindes“ im großen Musikvereinssaal durch den damaligen Wiener Bürgermei-ster Karl Seitz dem Verein Anerkennung und Dank zum Ausdruck. Als der Kulturverband in Wien am 22. Oktober 1922 anlässlich des 70. Geburtstages des Schwabendichters Adam Müller-Guttenbrunn ein schönes Fest veranstaltete, überbrachte eine Abordnung dem Gefeierten die Glückwünsche mit einer Ehrengabe des Vereins. Der Reingewinn dieser Festveranstaltung floss ausschließlich dem Kinderhilfswerk der Banater Schwaben zu. Am 13. März 1923 kam es zum großen Schwabentag in Temeswar, an dem 15.000 Personen aus dem gesamten Banat teilnahmen; hier wurde die „Deutsch-Schwäbische Volksgemeinschaft“ ge-gründet. Vom Verein der Banater Schwaben in Wien nahm eine große Abordnung an der Festveran-staltung teil und überbrachte Grüße der Wiener Kinder und deren Eltern. Ab diesem Zeitpunkt über-nahm die „Volksgemeinschaft“ die Organisation und die Unterbringung der Wiener Kinder im Banat. Im Jahre 1925 erwarb der Verein der Banater Schwaben in Wien von der Witwe Adam Müller-Guttenbrunns die aus mehr als 600 Bänden bestehende Bibliothek des Dichters. Ebenfalls 1925 wur-de unter der Führung des ersten Obmannstellvertreters Johann Noll eine Ausflugssektion gegründet, die vom 1.Mai bis 1. Oktober jeden Sonn und Feiertag Ausflüge organisierte. So wurde alljährlich am Sterbetag (22.August 1850) des Dichters Nikolaus Lenau und zu Allerheiligen eine Wanderung zur letzten Ruhestätte des Dichters auf dem Weidlinger Friedhof (Klosterneuburg) unternommen. Zwischen Mai 1925 und Dezember 1928 erschien in Wien im Auftrag des Vereins Banater Schwaben in Wien die Monatszeitschrift „Unsere Heimat“, redigiert von Karl Kraushaar10. Zum Thema „Hilfsaktion für Wiener Kinder“ hält die Zeitschrift in der Jänner-Ausgabe 1926 Folgendes fest: „[...] Wenn wir am Schlusse des Kalenderjahres auf die Tätigkeit des Vereins der Banater Schwaben in Wien zurückblicken, sehen wir, daß diesem für die Mithilfe bei der Unterbringung unterernährter Wie-ner Kinder im Banat, der Deutsch-schwäbischen Volksgemeinschaft und der Presse, vornehmlich der Banater Deutschen Zeitung, der Temeswarer Zeitung, Arader Zeitung, Hatzfelder Zeitung und dem Banater Tagblatt, Dank und Anerkennung schulden, was hier im Namen unseres Vereins öffentlich angesprochen wird. [...]“
Die Vereinsfahne
Um den Verein bei Festlichkeiten, bei Begräbnissen und anderen Anlässen zu repräsentieren, stellte das Mitglied Othmar Schiff den Antrag, zur Anschaffung einer Vereinsfahne einen Fond zu gründen, mit welchem später eine Vereinsfahne anzuschaffen wäre. Der Antrag wurde von den Mitgliedern mit Begeisterung angenommen und der Antragsteller spendete als erster für diesen Zweck eine größere Summe, so dass dem Verein heute der Betrag von 130 Schilling zur Verfügung steht. Dieser schöne Beschluss harrte 1925 noch seiner Durchführung und sollte durch das Fahnenkomitee seiner Verwirk-lichung entgegengeführt werden. Ein Höhepunkt des Vereinslebens stellte die Weihe der in Rot-Gold gehaltenen Vereinsfahne dar, die zu Pfingsten des Jahres 1927 in der Basilika Maria Treu im VI. Wie-ner Bezirk, im Beisein zahl reicher in- und ausländischer Festgäste stattgefunden hatte. Während ihres Aufenthaltes in Wien gewährte Bundespräsident Michael Hainisch den prominentesten Gästen eine Audienz.
Das letzte gemeinsame Deutsche Trachtenfest vor dem Anschluss an das Dritte Reich (1938)
Am Samstag, den 15. Jänner 1938, fand in allen Konzerthaussälen in Wien das Deutsche Trachten-fest des Deutschen Schulvereins Südmark statt. Im Vordergrund standen diesmal Trachten und Tänze aus dem Innviertel, aus Niederösterreich und aus der Wiener Biedermeierzeit. Aber selbstverständlich folgten auch alle Trachtengruppen des Grenz- und Auslandsdeutschtums dem Aufruf des Schutzver-eines. Es folgten die Trachtengruppen, die mit großem Beifall begrüßt wurden: Egerländer, Schlesier, Böhmerwälder, die Deutschen aus dem Banat und die Siebenbürger Sachsen. Woher kamen die Landsleute und Freunde, die an solchen gemeinsamen Veranstaltungen teilnahmen und geschlossen einmarschierten?
- Bund der christlichen Deutschen in der Bukowina, - Bund der christlichen Deutschen in Galizien, - Bund der Deutschen in Böhmen, - Bund der Deutschen in Niederösterreich, - Bund der Deutschen in Nordmähren, - Bund der Deutschen in Ostböhmen, - Bund der Deutschen in Südmähren, - Der Deutsche Bömerwaldbund, - Der Bund der Deutschen der Iglauer Sprachinsel, - Der Tiroler Volksbund, - Der Verein „Nordmark“, - Der Verein „Südmark“.
Am 12.3.1938 marschierten deutsche Truppen in Österreich ein: Der Anschluß an Deutschland war vollzogen: Der Name Österreich verschwand in all seinen Zusammensatzungen: Niederösterreich wurde zu „Niederdonau“, Oberösterreich zu „Oberdonau“, Österreich zur „Ostmark“. Die bedenkliche politische Entwicklung in den dreißiger Jahren und die dauerhafte angespannte wirtschaftliche und soziale Lage erschwerten die Vereinsarbeit zusehends, was durch die Gleichschaltungsmaßnahmen des Dritten Reiches die völlige Lahmlegung der Vereinstätigkeit zur Folge hatte.
Tätigkeiten nach dem Zweiten Weltkrieg
Der Umsturz in Rumänien am 23.August 1944 hat auch die Deutschen in Rumänien sehr getroffen: Politische, wirtschaftliche, kirchliche und kulturelle Organisationen wurden aufgelöst; im Jänner 1945 erfolgte die Verschleppung arbeitsfähiger Deutscher zur Aufbauarbeit in die Sowjetunion. Beim Her-annahen der Front zogen endlose Wagenkolonnen mit Flüchtlingen aus dem Banat nach Österreich: Die meisten von ihnen verbrachten den Winter 1944/45 im Burgenland, in NÖ, OÖ und Salzburg. Doch schon im Frühjahr läuft die Repatriierung der Flüchtlinge aus der russischen Zone – sprich Ost-österreich – an. Unter russischer Eskorte brachen vom Arsenal (Südbahnhof) die Trecks der Volks-deutschen in ihre Heimat auf. Nach Angaben des Bundesministeriums für Inneres befand sich die folgende Anzahl von Flüchtlingen aus Rumänien in Österreich: 01.01.1948 56.601 Personen 01.06.1951 47.112 Personen 01.07.1956 20.735 Personen Von den oben angeführten Personen aus Rumänien lebten im August 1948 in den folgenden Bun-desländern: Bundesland Prozent Oberösterreich 32,9 Wien 22,0 Steiermark 14,0 Tirol 9,4 Niederösterreich 7,5 Salzburg 6,1 Vorarlberg 3,4 Burgenland 0,8
In der aussichtslosen politischen Lage unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bestand verständlicherweise seitens der ehemaligen Vereinsmitglieder zunächst kein Interesse am Fortbe-stand des Vereines. Zehntausende Flüchtlinge kamen aus dem Banat nach Österreich, und einige Tausend konnten notdürftig in Wien untergebracht werden. Im Oktober 1945 wurde seitens der amerikanischen Militärverwaltung in Österreich in Linz die „Unpolitische Interessenvertretung der Volksdeutschen aus den ehemaligen Kronländern Österreich-Ungarn“ genehmigt. Für die Landsleute aus dem rumänischen Banat war Dr. Fritz Klingler zuständig. Nach einem Jahr musste das Komitee seine Tätigkeit wieder einstellen. Erste Ansätze zu einem orga-nisatorischen Zusammenschluss erzielten die Landsleute aus Rumänien in der Zentralberatungsstelle der Volksdeutschen in Wien III, Metternichgasse 3. Diese Zentralberatungsstelle war eine Dienststelle des Bundesministeriums für Inneres. Zuständiger Geschäftsführer für die Abteilung Südost, also auch für Rumänien, war Diplomkaufmann Hans Franz aus Steierdorf im Banat. Da der seit 1925 amtierende Obmann des Vereins, Martin Endres, 1944 einem Fliegerbom-bardement zum Opfer gefallen war, wurde der Verein nach 40-jährigem Bestehen am 18. November 1947 durch Obmannstellvertreter Hugo Butter bei der Vereinspolizei durch folgenden Wortlaut abge-meldet: „Obmannstellvertreter der ,Banater Schwaben in Wien’, Hugo Butter, Wien VII, Lerchenfelder Gürtel 12, gibt die freiwillige Auflösung des Vereins bekannt.“ 11 Diese Anzeige lenkte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf den „Verein der Banater Schwaben“ und veranlasste Dkfm. Hans Franz, Mitglied des Flüchtlingsbeirates der Liga für Men-schenrechte (laut Bescheinigung vom 26.9.1947 des Landesverbandes Österreich), den Spuren des eben aufgelösten Vereines zu folgen. Nach zahlreichen Aussprachen mit Gleichgesinnten ist es ge-lungen, ein Proponentenkomitee zu gründen, dem die Herren Johann Braun, vormaliger Vereinsob-mann und Ehrenmitglied, Hugo Butter, Dkfm. Hans Franz und Prof. Sebastian Werni angehörten. Die Bestrebungen des Komitees, den wiederzugründenden Verein einfachheitshalber wieder „Verein der Banater Schwaben“ zu nennen, sollten vorerst keine Früchte tragen. Nachdem Dkfm. Hans Franz die Wiedergründung des „Vereins der Banater Schwaben in Wien“ bei der Vereinspolizei beantragt hatte, wurde die Vereinsgründung von der Sicherheitsdirektion Wien per Bescheid mit der Begründung untersagt, dass aufgrund der Namensgleichheit eine Ver-wechslung mit dem am 18. November 1947 aufgelösten Verein vorliege. Als auf Vorschlag desVer-treters der Vereinspolizei der Name des zu gründenden Vereines in „Schwabenverein“ umgeändert worden war, genehmigte die Sicherheitsdirektion Wien am 16. April 1948 unter Nr. S. D. 3909/48 die eingereichten Statuten und teilte dem Antragsteller mit, dass der „Schwabenverein“ nunmehr seine Tätigkeit aufnehmen könne. Nach Erledigung verschiedener weiterer Formalitäten erfolgte mit dem Druck von Mitglieds-karten die Bekanntgabe der Vereinsanschrift: Wien VIII, Lerchenfelderstraße 14 (im Gasthaus „Zum Grünen Tor“), doch bereits 1949 lautete die Anschrift: Wien XII, Schönbrunnerstraße 307 (im Restau-rant „Dreherpark“). Am 22. Mai 1948 wurde im Vereinslokal im Gasthaus „Zum Grünen Tor“ die Gründungsver-sammlung des „Schwabenvereines“ abgehalten. In der ersten gemeinsamen Hauptversammlung wur-de Hans Franz erwartungsgemäß zum Obmann gewählt. Er war der Mann des Zusammenschlusses aber auch der Mensch des Zusammenlebens, der es immer wieder verstanden hatte, aufgetretene Schwierigkeiten zu meistern. Durch seine Tat legte er den Grundstein für eine weitere, gedeihliche Vereinsarbeit. Der provisorischen Vereinsleitung gehörten an: Dkfm. Hans Franz – Vorsitzender, Ing. Valentin Reimann – Vorsitzender-Stellvertreter, Prof. Sebastian Werni – Sekretär, Friedrich Hempt – Sekretär-Stellvertreter, Johann Helfrich – Kassier, Josef Harter und Dr. Karl Hoffmann – Kassier-Stellvertreter, Hugo Butter, Georg Mayer, Adam Straßler – Ausschussmitglieder sowie Dr. Josef Fuchs, Peter Schlarb, Martin Krach – Revisoren. Obmann Dkfm. Hans Franz erhielt das Mitgliedsbuch mit der Nr. 1, in dem auch ein Auszug aus den Vereinssatzungen abgedruckt ist. Zwecks Bekanntga-be der Gründung des „Schwabenvereins“ und der daraus auf sozialem, wirtschaftlichem und kulturel-lem Gebiet erwachsenden Aufgaben und Zielsetzungen hat der Verein im Juni 1948 einen Rundbrief drucken lassen. Die Vereinsgründung war eigentlich zum Fortleben des „Vereins der Banater Schwaben in Wien“ gedacht, doch bedauerlicherweise war aus rechtlichen und vereinspolizeilichen Gründen die Beibehaltung des Namens „Banater Schwaben“ nicht möglich und demzufolge musste der Name “Schwabenverein“ gewählt werden. Im Zusammenhang damit darf nicht unerwähnt bleiben, dass sich nach der Vereinsgründung allerlei Schwierigkeiten ergaben. Es muss jedoch festgehalten werden, dass dieser Schritt der Anfang zur Fortsetzung der landsmannschaftlichen Tätigkeit der Banater Schwaben aus Rumänien in Österreich war. Daraus entwickelte sich vor allem der lebendige Kern, aus dem sich neues Geschichtsbewusstsein entfalten sollte. Damals schlug für die Banater die Stunde der Umkehr, und es war der Wille einsichtiger Per-sonen erforderlich, um die Geschicke der Beteiligten durch zähe, geduldige Aktivitäten in eine hoff-nungsvolle Zukunft tragen zu können. Bedauerlicherweise mussten die Banater Landsleute einen schweren Verlust hinnehmen: Der am 20. Februar 1884 in Billed geborene Prof. Hans Donawell – bis 1947 Vorsitzender der Zentralberatungsstelle der Volksdeutschen Heimatvertriebenen in Wien – ver-schied am 16. Dezember 1948 in einem Wiener Krankenhaus. Aus der Sicht der Banater Schwaben wurden folgende Zielsetzungen zu den Hauptaufgaben des Vereins nach 1945: Suche nach Vermissten und Zusammenführung getrennter Familien, denn nach dem Krieg war es wegen des „Eisernen Vorhangs“ den ehemaligen Soldaten jahrelang unmög-lich, zu ihren in Rumänien lebenden Familien heimzukehren bzw. diese zu besuchen: Sie blieben von ihren Familien getrennt. Eine Zusammenführung dieser auseinandergerissenen Familien war in den ersten zehn Nachkriegsjahren außerordentlich schwierig, denn es gab keine offiziellen Kontakte zwi-schen Österreich und der Volksrepublik Rumänien. Erst später spielte sich die Familienzusammenfüh-rung besser ein, vor allem, nachdem Österreich mit Rumänien diplomatische Beziehungen aufge-nommen hatte. Nach dem Zweiten Weltkrieg sind auf Betreiben des aus Großsanktnikolaus stammenden Johann (Jean) Lamesfeld im Einvernehmen mit der französischen Regierung unter Premierminister Robert Schumann12 (laut Beschluss vom 17.07.1948) zwischen November 1948 und April 1949 zirka 10.000 geflüchtete Banater aus Österreich – die Transporte gingen aus Bregenz ab – nach Frankreich (La Roque sur Pernes, Provence) umgesiedelt worden. 13 Der „Sozialistischen Korrespondenz“ zufolge haben sich am 20.1.1951 etwa 51.000 Volks-deutsche aus Rumänien in Österreich aufgehalten. Die aus dem rumänischen Teil des Banats stam-menden Landsleute verfolgten naturgemäß andere, Rumänien bezogene Ziele, die sie vom „Schwa-benverein“nicht richtig wahrgenommen empfunden hatten. So erfolgte die Abspaltung von diesem, und am 22. April 1963 kam es zur Gründung der „Interessensgemeinschaft der Banater Schwaben aus Rumänien für Familienzusammenführung und Vermögensersatz“ mit Sitz im Gasthaus „Goldenes Lamm“, Wien XV, Johnstraße 21, eingetragen bei der Bundespolizei Abt. I. Vereinspolizei mit Eingang am 24. April 1963. In der konstituierenden Generalversammlung wurden folgende Vereinsfunk-tionäre gewählt: Rechtsanwalt Josef Fuchs – Obmann, Ferdinand Lambert – Obmann-Stellvertreter, Dr. Waldemar Machytka – Schriftführer, Hans Paul – Schriftführer-Stellvertreter, Christoph Wambach – 1. Kassier Peter Wegesser – 2. Kassier, Peter Kühn, Johann Treiss – Revisoren, Ausschussmitglie-der: Stefan Böss, Michael Undiß, Kommerzialrat Ing. Jakob Roos, Hans Müller und Franz Klein. Bei der Generalversammlung der „Interessensgemeinschaft der Banater Schwaben aus Ru-mänien für Familienzusammenführung und Vermögensersatz“ vom 24. Oktober 1964 wurde die Um-benennung des Vereins in „Landsmannschaft der Banater Schwaben aus Rumänien“ beschlossen, was am 28. Oktober 1964 dem Vereinsbüro der Bundespolizeidirektion, Wien I, Zedlitzgasse 8, schriftlich mitgeteilt wurde. Die Generalversammlung wählte folgenden Vorstand: Rechtsanwalt Josef Fuchs aus Alexanderhausen – Obmann, Ferdinand Lambert aus Temeswar – Obmann-Stellvertreter und Schriftführer, Johann Paul aus Iglau – 2. Schriftführer, Christoph Wambach aus Marienfeld – 1. Kassier, Peter Wegesser aus Hatzfeld – 2. Kassier, Peter Kühn aus Kleinsanktpeter/Totina und Jo-hann Treiss aus Hatzfeld – Revisoren, Ausschussmitglieder: Dr. Waldemar Machytka aus Budapest, Dkfm. Hans Franz aus Steierdorf, Dipl. Ing. Josef Adam aus Orzydorf und Franz Klein aus Billed. Der Vereinsname wurde laut Erlass der Sicherheitsdirektion Wien vom 26. November 1964, Zl. M. Abt. 62-II/1703/64 auf „Landsmannschaft der Banater Schwaben aus Rumänien“ geändert. Auf dem in Österreich sehr mühsamen Weg zur Eingliederung der staatenlosen Volksdeut-schen war die Zusammenarbeit aller Landsmannschaften erforderlich, und so hatten auch die Banater Schwaben in allen Gremien der Vertriebenen ihren Vertreter: im Rahmen der Donauschwäbischen Arbeitsgemeinschaft (DAG) und im „Verband der volksdeutschen Landsmannschaften“(VLÖ). Bei der am 4. Oktober 1974 im Gasthaus Steindl, Wien VI, Machettigasse 1 (Vereinssitz) stattgefundenen Generalversammlung wurde die Änderung des bisherigen Vereinsnamens „Lands-mannschaft der Banater Schwaben aus Rumänien in Wien“ auf „Landsmannschaft der Banater Schwaben aus Rumänien in Österreich“ beschlossen sowie ein neuer Vorstand gewählt: Kommerzial-rat Dr. h. c. Hans Androwitsch – Obmann, Peter Kühn, Franz Klein – Obmann-Stellvertreter, Peter Wegesser –1. Kassier und Josef Dittrich – 2. Kassier, Christoph Wambach – Schriftführer. Durch den plötzlichen Tod des Obmanns, Kommerzialrat Dr. h. c. Hans Androwitsch, wurde am 29. April 1983 der bisherige langjährige Obmann-Stellvertreter Franz Klein, Billed, zum Obmann gewählt, der als ein sehr engagierter Funktionär und Buchautor, Träger zahlreicher hoher, auch sei-tens der Republik Österreich verliehener Orden die Geschicke des Vereins über 17 Jahre gestalten sollte. Durch Jahre organisierte Franz Klein Paketaktionen und Hilfsgüter, die Bedürftigen – nicht nur im Banat und nicht nur Banater Schwaben – zugute kamen: Arzneimittel, medizinisch-technische Ge-räte für Krankenhäuser und Ambulatorien sowie Güter verschiedenster Art wurden unter seiner Lei-tung bzw. Anleitung nach Rumänien gebracht und an dortige Institutionen sowie Privatpersonen wei-tergegeben. Als Franz Klein im Jahre 2000 aus Altersgründen sein Amt zurückgelegt hatte, wurde am 12.1.2001 die Obmannfunktion dem langjährigen Obmannstellvertreter Mag. Dr. Hans Dama aus Großsanktnikolaus übertragen, der über zwei Jahrzehnte im Vorstand des Verbandes und als Rumä-nist an der Wiener Universität geradezu zum Bindeglied zwischen zwei Völkern und Kulturen heran-gewachsen ist. Ferner gehörten ab 2001 dem Vorstand an: Mag. Sabine Astfalk (Eisenstadt), Julius Fikar (Lugosch), Matthias Wanko (Neubeschenowa) – Obmann-Stellvertreter; Peter Dettar (Mercydorf) – 1. Kassier, Otto Karner (Wien) – 2. Kassier; Susanne Hügel-Lacina (Lowrin) – Schriftführerein; Josef Kauten (Temeswar) – Sekretariat; Prof. Franz Urban (Temeswar), – Kulturreferent; Peter Maurer (Bil-led) – Musik/Unterhaltung; Maria Ritter (Ried i. I./Oberösterreich) – Soziales Hilfswerk; Jakob Kindling (Mercydorf), Hans Neiß (Billed), – Kassenprüfer; Heinrich Remmel (Mercydorf) – Ausschussmitglied. Am 11. Dezember 2001 wurde dem Antrag auf Umbenennung unseres Vereines in „Verband der Banater Schwaben Österreichs“ von der Sicherheitsdirektion für Wien, Vereinsangelegenheiten, Zl.: IV-SD/2151/VVM/2001 stattgegeben. Derzeit finden unsere Vereinstreffen im Gasthaus Ebner, Wien XV, Neubaugürtel 33, statt. Am 8. Dezember 2006 wurde auf Veranlassung der Vereinspolizei der Vereinsname auf „Banater Schwaben Österreichs“ umbenannt. (Im bisherigen Namen Verband der Banater Schwaben Österreichs entsprach der Terminus Verband nicht der Realität, Anmerkung Hans Dama.) XXXXX XXXXX XXXXX
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg, der neben anderen Ethnien auch die Banater Schwaben mit un-säglichem Leid heimgesucht hatte – Pauschalbeschuldigungen „nur“ weil sie Deutsche sind/waren – standen unsere Landsleute zu ihrer Heimat und hielten selbst unter den prekären Bedingungen der kommunistischen Ära die Verbindungen zu dieser aufrecht. Nach 1945 waren unsere Mitglieder aus der Zwischenkriegszeit Adam Thiem, Peter Gänger, Dr. Hans Weresch, Dr. Fritz Klingler, Ferdinand Ernst Gruber bedeutende Wissensträger, die wertvolle Hinweise weitergeleitet haben. In Österreich wurden Kontakte zur „Österreichisch-Rumänischen Ge-sellschaft“ und zur Kulturvereinigung „Unirea“ gepflegt; im Laufe der Zeit verbesserten sich selbst die Beziehungen zur Botschaft der Sozialistischen Republik Rumänien, wollte man doch die Verwandten in der Heimat besuchen, was mit zahlreichen Formalitäten verbunden war. Durch all die zurückliegenden Jahrzehnte hat unser Verein freundschaftliche Beziehungen zu anderen „Schwestervereinen“ gepflegt, deren Mitglieder mehrheitlich aus Rumänien und aus ehemali-gen Gebieten der Habsburgermonarchie stammen: Siebenbürger Sachsen, Buchenlandddeutsche (Bukowina/Buchenland), Karpatendeutsche usw. Auf Einladung der Gesellschaft „România“ besuchten am 1. Oktober 1975 der Vorsitzende der „Landsmannschaft der Banater Schwaben aus Rumänien in Österreich“, Dr. h. c. Hans Androwitsch, und der Kulturreferent der Landsmannschaft, Prof. Nikolaus Engelmann, mit Gattinnen Rumänien. Die Gäste führten Gespräche mit Mitgliedern der Gesellschaft „România“, wurden beim Volksrat des Mu-nizipiums Temeswar und von der Leitung des Rates der Werktätigen Deutscher Nationalität des Krei-ses Temesch empfangen, besuchten die Redaktionen der Zeitschriften „Tribuna României“, „Neuer Weg“ und „Neue Banater Zeitung“ sowie des Verlags „Kriterion“ und führten hier Gespräche. Die Her-ren Hans Androwitsch und Nikolaus Engelmann besichtigten gleichfalls sozial-kulturelle, ökonomische und touristische Objekte in der Hauptstadt Bukarest, im Kreis Temesch und im Munizipium Temeswar. Der Besuch verlief in einer freundschaftlichen Atmosphäre des gegenseitigen Verständnisses und Interesses zur Entwicklung der Beziehungen, der Zusammenarbeit zwischen den beiden Gesell-schaften. Nicht unerwähnt bleiben darf ein kulturelles Ereignis von besonderer Tragweite: am 8. und 9. Mai 1985 wurde dem ehemaligen Temeswarer Hochschullehrer und Dichter, Prof. Dr. RUDOLF HOLLINGER (1910-1997), anlässlich seines 50. Promotionsjubiläums und der Verleihung des Goldenen Doktordiploms seitens der Universität Wien ein zweitägiges Symposion unter dem Ehrenschutz des damaligen Bundesministers für Unterricht und Kunst, Dr. Herbert Moritz, gewidmet, im Zuge dessen die Banater Referenten Dr. HERBERT BOCKEL (Universität Passau), Mag. HANS DAMA (Universität Wien), Dr. WALTER ENGEL (Heidelberg), Prof. NIKOLAUS ENGELMANN (Linz), Dr. HORST FASSEL (Univer-sität Tübingen) und Mag. Radegunde Täuber (Nufringen) das Schaffen des Jubilars würdigten. Univ.-Prof. Dr. ERWIN RINGEL (Wien), gebürtiger Temeswarer, überreichte dem Jubilar das Festexemplar seines (Hollingers) Buches „Gedankensplitter aus dem Osten. Aus dem "Tagebuch eines Südost-Europäers“, herausgegeben von seinem einstigen Schüler Hans Dama. Am 10. Mai 1985 wurde im Rahmen einer Feier im Vereinslokal des „Verbandes der Banater Schwaben“ durch den Obmann des „Schwabenvereins“ (Donauschwaben), Herrn Jakob Werner, die Prinz-Eugen-Medaille an Prof. Dr. Rudolf Hollinger verliehen. Auch im letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrtausends kann der „Verband der Banater Schwaben Österreichs“ auf eine rege und vielseitige Tätigkeit zurückblicken, die auf Initiative ver-dienter Landsleute, allen voran die des langjährigen Bundesobmanns Franz Klein, und einiger Mitglie-der wie Dr. Alexander Krischan, Mag. Dr. Hans Dama, Dipl. Ing. Josef Adam, Julius Fikar, Peter Det-tar, Josef Kauten, Susanne Hügel-Lacina, Peter Maurer, Mathias Wanko, des unermüdlichen Ehren-obmanns, Prof. Nikolaus Engelmann, u. a. m. erfolgt ist und bis heute fortgesetzt wird. Paketaktionen und Sendungen mit medizinischen Gütern und Einrichtungen wurden und werden besonders von der Oberösterreicherin Maria Ritter, deren Mann aus Perjamosch/Banat stammt, betreut und nach wie vor durchgeführt, nachdem Franz Klein bis zum Beginn der 90er-Jahre die Transporte ins Banat selbst begleitet hatte. Wichtig erschien in den ausgehenden 1980er- und zu Beginn der 1990er-Jahre die Betreuung der nach 1989 erfolgten massenweisen Rückwanderung von Landsleuten nach Deutsch-land: Auf dem Wiener Westbahnhof, dem unumgänglichen Nadelöhr aller Ausreisenden, betreute vor allem Obmann Franz Klein die Menschen persönlich. Zur Förderung und Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls unserer Landsleute findet je-weils am zweiten Freitag im Monat im Vereinslokal (im Gasthaus Ebner, Wien XV, Neubaugürtel 33) ein Heimabend statt, bei dem aktuelle Fragen besprochen und verschiedene Vorhaben in Angriff ge-nommen werden. Ebenso fand je ein Muttertags- und ein Herbstausflug statt, bei denen historische und kulturelle Sehenswürdigkeiten besichtigt wurden. Gruppen- oder Einzelbesuche von Landsleuten aus Deutschland, den USA, Rumänien, Kanada, Ungarn usw. in Wien werden von unseren hier le-benden Mitgliedern fürsorglich betreut. Anlässlich des 80. Geburtstages (17.10.1999) unseres langjährigen Obmanns Franz Klein wur-de dieser für seine Jahrzehnte umspannende rege Tätigkeit zum Wohle der Gemeinschaft der Banater Schwaben in Österreich durch den Bundesvorstand der „Landsmannschaft der Banater Schwaben in Deutschland“, Herrn Jakob Laub, mit der Prinz-Eugen-Nadel ausgezeichnet und vielfach geehrt. Des-gleichen wurde weiteren verdienten Mitgliedern unseres Verbandes die Treuenadel in Gold durch den Bundesvorstand Jakob Laub verliehen: Mag. Dr. Hans Dama, Prof. Nikolaus Engelmann, Dr. Alexan-der Krischan und Susanne Hügel-Lacina. Im Rahmen unserer Kulturtätigkeit werden Vorträge und Lesungen veranstaltet. Anlässlich des 150. Geburtstages, des 75. und 80. Todestages des Heimatdichters ADAM MÜLLER-GUTTENBRUNN sprach Hans Dama am Ehrengrab des Dichters auf dem Wiener Zentralfriedhof sowie im Haus der Heimat und in unserem Vereinslokal. Ebenso bemüht sich der Obmann um den dichterischen Nach-lass von RUDOLF HOLLINGER, aus dessen Lyrik er auf der Kulturtagung der Landsmannschaft der Ba-nater Schwaben (Baden-Württemberg, Deutschland) im Dezember 1999 in Sindelfingen eine Lesung bot, nachdem er, ebenfalls im Dezember, auch eine Lesung in Wien durchgeführt hatte. Damas regelmäßige Wiener Lesungen (Adam Müller-Guttenbrunn, Nikolaus Lenau, Rudolf Hollinger u. a. Banater Autoren) erfolgen zweimal jährlich – im Frühjahr und im Herbst – und erfreuen sich allgemeinen Interesses über landsmannschaftliche Kreise hinaus. Außerdem werden interkultu-relle Veranstaltungen organisiert: Hans Dama sprach z.B. im März 2000 im Rumänischen Kulturinstitut Aula Romaniae in Wien über die Wiener Jahre des rumänischen Nationaldichters MIHAI EMINESCU (1850 -1889) mit anschließender Lesung aus dessen Lyri und 2005, zum 80.Todestag des Schrifstel-lers Ioan Slavici (1848-1925), der in Arad und Temeswar die Schule besucht hatte. Mitglieder unseres Verbandes nehmen an diversen Kulturtagungen in Deutschland, Öster-reich, Ungarn und Rumänien aktiv – als Referenten – teil. Auf der Freiburger 19. Tagung der Adam Müller-Guttenbrunn-Gesellschaft würdigte Dipl. Ing. Josef Adam am 16. Oktober 1999 die Tätigkeit des Dompropstes Franz Blaskovics für die Banater Landwirtschaft. Vertreter unseres Verbandes nehmen regelmäßig an Treffen und Besprechungen auf landsmannschaftlicher Ebene teil. Obmann-stellvertreter, Julius Fikar, besuchte 1999 unsere Landsleute in Cincinnati/Ohio und hielt dort Wertvol-les dokumentarisch auf Filmen fest. Durch intensive Zusammenarbeit mit weiteren in Wien lebenden kulturengagierten Banater Per-sönlichkeiten konnten viele gemeinsame Projekte mit tatkräftiger Unterstützung der Rumänischen Botschaft bzw. des Rumänischen Kulturinstituts Aula Romaniae verwirklicht werden: das Lenau-Symposion im Oktober 2002 anlässlich des 200. Geburtstages des aus dem Banat stammenden Dichters NIKOLAUS LENAU (1802-1850), des150. Geburtstages bzw. des 80. Todestages des Banater Schriftstellers ADAM MÜLLER-GUTTENBRUNN (1852- 1923). Nach wie vor werden unsere Beziehungen zur Internationalen Lenau-Gesellschaft gepflegt, an deren Veranstaltungen Vertreter unseres Verbandes aktiv teilnehmen. Auch den Verbindungen zu österreichischen, deutschen, rumänischen und ungarischen Stellen wird weiterhin große Aufmerk-samkeit eingeräumt. Wie aus unserer Darstellung ersichtlich, gehören unserem Verband auch Nicht-Banater bzw. aus dem serbischen Teil des Banats und aus Österreich stammende Mitglieder an, die zum Teil in leitenden Funktionen agieren, was auf eine überregionale Gemeinschaft hinweist. Die bedeutendste Persönlichkeit der Banater Schwaben, die in Wien gewirkt hatte, war zwei-felsohne ADAM MÜLLER-GUTTENBRUNN (*22.10.1852 in Guttenbrunn/Rumänien; †05.01.1923 in Wien). Dem aus ärmlichen Verhältnissen stammenden unehelichen Knaben gelang es als Autodidakt, sich zum angesehenen (Ehrengrab der Stadt Wien: Zentralfriedhof, Gr. 0, Reihe 1, Nr. 98) Journalisten, Theaterdirektor des Raimundtheaters (1893-1896) und des Kaiser-Jubiläums-Stadttheaters (heute Volksoper: 1898-1903) und gefeierten Schriftsteller emporzuarbeiten. Er galt als Förderer und Freund der begnadeten rumänischen Tragödin AGATA BÂRSESCU (1859-1939), die auch auf Wiener Bühnen als hervorragende Tragödin fulminante Erfolge gefeiert hatte. Bereits als Direktor des Raimundtheaters hat Adam Müller-Guttenbrunn verbilligte Nachmittags-vorstellungen für Schüler veranstaltet und ebnete so den Weg zum späteren Theater der Jugend. Darüber hinaus war er Mitbegründer des Österreichischen Volksbildungswerkes, der späterern Volks-hochschulen. Politisch bewegte sich Adam Müller-Guttenbrunn im Dunstkreis des am 28.Juni 1914 in Saraje-wo ermordeten Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand, der die Doppelmonarchie in einen föderali-schen Vielvölkerstaat umstrukturieten wollte. Durch seine Schrift „Wohin gehört Westungarn?“ hat Adam Müller-Guttenbrunn maßgeblich zum Anschluss Westungarns, des nachmaligen Burgenlandes, an Österreich beigetragen. Sein Ableben hatte auch in Rumänien ein großes mediales Echo ausge-löst: unter anderen würdigte ihn der rumänische Dichter und Philosoph LUCIAN BLAGA (1895-1961), ein ehemaliger Student der Wiener Universität, in einem Gedenkartikel (in: „Patria“, 1923, Klausen-burg). Zu weiteren herausragenden Persönlichkeiten des Banats zählen: JOHANN EUGEN PROBST (*1858 Arad + 1937 Wien), Dichter, Direktor der Städtischen Sammlungen Wien; JOHANN NEPOMUK PREYER (*1805 Lugosch †1888 Kirchberg am Wechsel/NÖ), Temeswarer Bürgermeister, Schriftsteller; KARDINAL DR. THEOL. LORENZ SCHLAUCH (*1824 Neuarad †1902 Großwardein, Mitglied der Ungari-schen Akademie der Wissenschaften. Prof. NIKOLAUS ENGELMANN (*13.08.1908, Warjasch, †05.09.2005, Eisenstadt), Pädagoge, Schriftsteller, Journalist, Akademieprofessor in Linz, langjähriger Obmann der Donauschwäbischen Landsmannschaft in Oberösterreich, Mitarbeiter und ab 1976 Chefredakteur des Salzburger Wochen-blattes „Neuland“, 1980 mit der Prinz-Eugen-Nadel des Schwabenvereins Wien ausgezeichnet, ab 1981 Vorsitzender des Sankt-Gerhardswerks in Stuttgart, Verfasser eines umfangreichen literarischen Werkes und pädagogischer Schriften, verbrachte seinen Lebensabend in Eisenstadt. Eine besonders fruchtbare Tätigkeit entfaltete auch unser Landsmann Dr. ALEXANDER KRISCHAN (*25.02.1921, Hatzfeld), dessen Veröffentlichungen zu Banater Themen stets reges Interes-se hervorriefen: „Deutsche periodische Literatur des Banats 1771 – 1971“ (1987); „Deutsche Beiträge zur Banater Historiographie 1860-1980“ (1993). Für seine Leistungen wurde Dr. Alexander Krischan am 26.11.1994 die Verdienstmedaille in Gold der Landsmannschaft der Banater Schwaben überreicht; am 25.09.1998 wurde ihm seitens der Wirtschaftsuniversität in feierlichem Rahmen das Goldene Doktordiplom der Wirtschaftsuniversität verliehen, nachdem ihm vom Bundespräsidenten das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, von der Kammer für Arbeiter und Angestellte die Goldene Medaille für 45-jährige Arbeitsleistung im Dienst der österreichischen Volkswirtschaft, bereits 1971 der Donauschwäbische Kulturpreis des Landes Baden-Württemberg und am 25. Novem-ber 2000 die Prinz-Eugen-Nadel in Gold verliehen wurde. Zu Dr. Krischans 75. Geburtstag hat der Verband der Banater Schwaben in Österreich die Festschrift „Banatica“ mit Beiträgen von 54 Autoren und einem Grußwort des Bischofs der römisch-katholischen Diözese Temeswar, Dr. Sebastian Kräu-ter, herausgebracht. Gleichzeitig ist auch das zweibändige Sammelwerk des Jubilars „Gesammelte Beiträge zur Kulturgeschichte des Banats 1942–1996“ erschienen. FRANZ KLEIN (*17.10.1919, Billed) - ein Mann der ersten Stunde 1945 - lenkte als Obmann 17 Jahre die Geschicke des Vereins. Auch als erfolgreicher Heimatforscher und Autor trat Klein in rschei-nung: Sein Buch "Billed.Chronik einer Heimatgemeinde im Banat in Quellen und Dokumenten 1765-1980 (Wien 1980)“ ist längst schon zum Standardwerk und Maßstab für Ortsmonographien und Hei-matbücher aber auch für Berufshistoriker wertvoll geworden, sodaß namhafte Universitäten in den USA (darunter Harvard), in Rußland (Lomonosow) und in Mitteleuropa das Buch bezogen haben. Kleins Buch ist inzwischen zu einer oft zitierten Quelle geworden. So in: "Die Donauschwaben. Deut-sche Siedlung in Südosteuropa. Lehrerhandreichung, hgg. vom Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg (S. 41-48)." Anlässlich des 222. Gründungsjahres von Billed hat Franz Klein im Oktober 1987 ein weiteres Buch, den Bilderband "Billed - 222 Jahre Musterdorf Maria Theresias im Banat in Bildern und Doku-menten 1765-1987" (mit 550 Abbildungen auf 272 Seiten) veröffentlicht. Aber auch anderen Heimat-büchern stellte Franz Klein wertvolles Quellenmaterial aus Wiener Archiven zur Verfügung: Weißkir-chen, Lowrin, Neuarad, Marienfeld, Deutschsanktmichael, Schag, Wiesenhaid, Ulmbach, Warjasch, Sanktandres, Guttenbrunn, Alexanderhausen, Mastort, Ruskodorf, Heufeld, Ruma, Slankamen, Schöndorf, Kreuzstätten, Segentau u. a. Außerdem wurde auch für den Band "Beiträge zur Ge-schichte des Heilwesens im Banat" und "Wir waren Zeugen" von Klein Archivmaterial zur Verfügung gestellt. Franz Klein und Dr. Alexander Krischan zählen zweifelsohne zu den besten Kennern des auf das Banat bezogene Wiener Archivmaterials. Seit seiner Pensionierung (1979) und besonders ab 1983, als er Obmann des "Verbandes der Banater Schwaben aus Rumänien in Österreich" wurde, war es Franz Klein ein wichtiges Anliegen, den in der Heimat lebenden Landsleuten matertiell behilflich zu sein. Klein organisierte über verschiedene Stellen (Rotes Kreuz, Caritas u.a.) Spenden und leitete Hilfsaktionen - auch in jenen Jahren, als diese von den damaligen kommunistischen Behörden Rumä-niens nicht gerne gesehen, ja sogar abgelehnt worden waren. Klein setzte über höchste Stellen das "Laufwerk" in Gang. Er beförderte als Pensionist eigen-händig 3000 (!) Pakete mit hochwertigen Lebensmitteln zur Bahn, zu Speditionen, zur Post, um sie den notleidenden Landsleuten in 69 Ortschaften im Banat (aber nicht nur dort) zukommen zu lassen. Nach den Ereignissen von 1989/90 organisierte und begleitete Franz Klein Hilfstransporte ins Banat, wo unter seiner persönlichen Aufsicht die Verteilung der Güter in 59 Orten vorgenommen wurde. Ba-nater Krankenhäusern und Krankenrevieren wurden 1000 kg Medikamente zugestellt. Klein hat pein-lichst genau darauf geachtet, daß die zur Verfügung stehenden Mittel gerechter- und fairerweise an die 600 von seiner Kartei erfaßten bedürftigen Banater Landsleuten verteilt worden waren. Jahrelang führte ihn - besonders nach 1989 - sein täglicher Weg am Nachmittag zum Wiener Westbahnhof, jenem Nadelöhr, wo er auf den aus Rumänien kommenden "Orient-Express" wartete, galt es doch, den ausreisenden Landsleuten (man denke an den "Großen Schwaben(rück)zug" von 1990) mit Rat und Tat beizustehen. Allein im Jänner 1990 waren es 750 Personen, im Juni - dem Hö-hepunkt der Aussiedlerwelle - gar 3.200 Menschen, die in Wien mit dem "Orient-Express" und dem "Wiener Walzer" ankamen und nach Deutschland weiterfuhren. Durchschnittlich waren es täglich 75 Personen und darüber, die - häufig mit bis zu acht Stunden Verspätung - völlig errschöpft, verzweifelt und ausgelaugt ihre Anschlusszüge nach Nürnberg, Hannover, Aachen, Baden-Baden usw. nicht mehr erreichen konnten. Es musste für Übernachtungsmöglichkeiten gesorgt werden. Babynahrung, Erfrischungen, Betreuung von Kranken - Herzinfarkte aufgrund der Aufregung mußten rasch notbe-handelt -, Diabetiker mussten versorgt und gespritzt werden. Was da an Visa-Problemen, Versorgung der Reisenden mit Kleingeld zum Telefonieren u. a. m. anfiel, dafür wusste Klein stets einen bereinigenden Ausweg und schaffte es, hilfreich beizuste-hen. Ob Siebebürger oder Banater, Franz Klein half, wo es nottat und meisterte alle Schwierigkeiten. Seine zahlreichen Leistungen und herausragenden Aktivitäten blieben nicht unbemerkt: Höch-ste Stellen ehrten und würdigten Kleins Arbeit. Im Jahre 1981 wurde ihm das Silberne Verdienstzei-chen der Republik Österreich durch Bundespräsident Dr. Rudolf Kichschläger und 1988 das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich durch Bundespräsident Dr. Kurt Waldheim verliehen. Be-reits 1983 wurde dem Bundesobmann des "Verbandes der Banater Schwaben aus Rumänien in Österreich" die Ehrennadel in Gold der Donauschwäbischen Arbeitsgemeinschaft (DAG) überreicht. Auch seine Billeder Landsleute in der alten Heimat wussten die unermüdliche Tätigkeit „ihres" Franz für die durch ihn gewährten Unterstützungen in der schwierigen Zeit des Kommunismus und der Folgezeit zu schätzen: Franz Klein wurde durch die am 27. April 1990 von Bürgermeister Neu im Rat-haus von Billed überreichte Ehrenurkunde die Ehrenbürgerschaft von Billed verliehen. In seiner Lau-datio unterstrich der Vorsitzende des Ortsforums der Banater Deutschen in Billed, Adam Csonti, dass diese Ehrung eines würdigen Mannes über den örtlichen Rahmen hinaus als ein Markstein im Wandel der Verhältnisse beachtet zu werden verdient. Bei den am 8. Dezember 2006 stattgefundenen Neuwahlen wurden die nachstehenden Personen für folgende Funktionen in den Vorstand gewählt: Mag. Dr. Hans Dama ─ Bundesobmann, Julius Fikar ─ 1. Obmann-Stvtr. und 2. Kassier, Mathias Wanko ─ 2. Obmann-Stvtr., Peter Dettar ─ 1. Kassier, Prof. Franz Urban ─ Kulturreferent, Lore Poiger ─ Sekretariat, Jakob Kindling ─ 1. Kassenprüfer, Ing. Ernst Kickinger ─ 2. Kassenprüfer, Peter Maurer ─ Musik/Unterhaltung, Heinrich Remmel ─ Aus-schussmitglied; Bereichsvertreter: Dipl.-Ing. Gertrude Adam─ Burgenland, Prof. Franz Urban ─ Nie-derösterreich, Franz Fett ─ Salzburg, Tirol, Vorarlberg, Josef Szarvas ─ Kärnten. Außerdem wurde der Verein nach Aufforderung der Vereinspolizei auf Verein der „Banater Schwa-ben Österreichs“ umbenannt.
Uns Banatern stellt sich die Aufgabe, unser geschaffenes Kulturerbe nicht nur – aber auch – museal und archivarisch zu verwalten, dafür Sorge zu tragen, dass es nicht in Vergessenheit gerät. Es ist mir ein Bedürfnis und ein Herzensanliegen, all jenen zu danken, die in diesen 100 Jahren seines Bestehens, die Geschicke des Vereines gelenkt und mitgetragen haben, aber auch sämtlichen Mit-gliedern, durch deren pekuniäre Unterstützung das Überleben des Vereins ermöglicht wurde.
Obmänner des Vereines ab der Gründung (Jänner 1907)
1907 Nikolaus Wehner 1920 Nikolaus Hilger 1922 Johann Braun * 31.08. 1874 in Tschesterek (Neuhatzfeld) 1925 MartinEndres * 11.11.1882 in Kleck/Torontaler Komitat; † 1944 Wien 1944 Hugo ButterObmann-Stellvertreter: meldete am 18.11.1947 den Verein bei der Vereinspolizei ab. 1948 Dkfm. Hans Franz * 20.01.1912 in Steierdorf; † 26.06.1976 Wien 1950 Dr. Josef Fuchs* 04.05.1908 in Alexanderhausen; † 14.06.1976 Wien 1974 Dr. h. c. Hans Androwitsch * 24.03. 1916 in Philadelphia (USA);† 17.04. 1983 Wien 1983 Franz Klein* 17.10.1919 inBilled 2001 Mag. Dr. Hans Dama *30.06. 1944 in Großsanktnikolaus
Ehrenobmänner:
Prof. Nikolaus Engelmann*13.08. 1908 in Warjasch; † 05.09.2005 Eisenstadt Franz Klein*17.10.1919 in Billed.
Anmerkungen * Nicht mit Nummern gekennzeichnete Zitate stammen aus den Vereinsunterlagen. 1 ERWIN RINGEL (*27.06.1921 – †28.7.1994): In Temeswar geborener österreichischer Tiefenpsycholo-ge, Universitätsprofessor (galt als das „Gewissen der Nation“), einem breiten Publikum durch das Buch „Die österreichische Seele“ bekannt geworden. 2 „Die Banater‚Schwaben’“. In: Temeswarer Zeitung, Temesvar, Jg. 28 (1879), Nr. 71 vom 27. März, Seite 1. 3 Vgl. HERMANN RÜDIGER, Die Donauschwaben in der südslawischen Batschka, Stuttgart 1931, S. 17); „Donauschwaben“, in: Handwörterbuch des Grenz- und Auslandsdeutschtums, Breslau, Bd. II (1936), Sonderdruck, S. 290 ff.; Senz, JOSEF VOLKMAR: Geschichte der Donauschwaben, München 1987, S. 19; SENZ, JOSEF VOLKMAR (Hg.): Bayerische Donauschwaben donauschwäbische Bayern, München 1979, S. 13; GÜNDISCH, G. KONRAD: Die deutsche Siedlung in Süosteuropa. Ein Überblick, in: Die Donauschwaben. Deutsche Siedlung in Südosteuropa. Ausstellungskatalog. Herausgegeben vom Innenministerium Baden-Württemberg, bearbeitet von Eberl, Immo u. a., Sigmaringen 1987, S. 11; SCHERER, ANTON: Vorwort zu: Die Donauschwaben in der Zwischenkriegszeit und ihr Verhältnis zum Nationalsozialismus. Schriftenreihe Geschichte, Gegenwart und Zukunft der altösterreichischen deutschen Minderheiten in den Ländern der ehemaligen Donaumonarchie, Bd. 3, herausgegeben vom Felix Ermacora Institut. Forschungsstätte für die Völker der Donaumonarchie, Wien 2003. 4 Meyers Enzyklopädisches Lexikon in 25 Bänden. Bibliographisches Institut Mannheim/Wien/ Zürich, 1973, Bd. 7, S. 82. 5 Gegen die im ausgehenden 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der ungarischen Reichshälfte – also auch im Banat – massiv einsetzenden Madjarisierungsbestrebungen. 6 Vgl. DAMA, HANS (Hg.): Österreich und die Banater Schwaben. Festschrift. An der Schwelle zum 100-jährigen Jubiläum des Verbandes der Banater Schwaben Österreichs (1907 – 2007). Ehrengabe für Franz Klein zum 85. Geburtstag. 1.Auflage, Wien 2005, S. 140. 7 Vgl. KOSCHAK, EMIL: Werke der Liebe führen zum Frieden, Wien 1948. 8 Jg.34, Nr. 31 vom 24.Juli 1921, S. 2-3) 9 Vgl. KOSCHAK, EMIL: Werke der Liebe führen zum Frieden, Wien 1948. 10 KARL KRAUSHAAR *24.05.1858 Hatzfeld; †08.03.1938 Budapest; vormals Redakteur des Banater Blattes „Der Landbote“. 11 Amtsblatt der Wiener Zeitung Nr. 267, Jahrgang 240, 18. November 1947, S. 7. 12 Deutsche Schreibweise des aus Lothringen stammenden Politikernamens. 13 Vgl. LEBER, PETER-DIETMAR: La Roque sur Pernes und seine Banater Geschichte, in: Dama, Hans (Hg.): Österreich und die Banater Schwaben. Festschrift. An der Schwelle zum 100-jährigen Jubilä-um des Verbandes der Banater Schwaben Österreichs (1907 – 2007). Ehrengabe für Franz Klein zum 85.), 2006, 2. Aufl.
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